Sonntag, 29. August 2010

Abschied aus Rinteln

Etwa hundert Menschen hatten sich in Todenmann am Alten Zollhaus eingefunden, um den Fürsten ein letztes Mal im Rintelner Stadtgebiet zu sehen. Die Kinder der Grundschule begrüßten Ernst und sein Gefolge mit einem Ständchen, dann übernahm Ortsbürgermeister Göbel. Der Fürst wurde gebeten, die Städtebundurkunde zu unterzeichen, ein Auftrag, den er gern übernahm. Dabei zeigte er sich beeindruckt von dem merkwürdigen Schreibgerät, einem Kugelschreiber. Er ermahnte die Menschen in Rinteln, sich allzeit an den Städtebund zu halten. Nach einem Umtrunk mit bunten Spirituosen verabschiedete der Ortsbürgermeister den Fürsten aus dem Rintelner Stadtgebiet mit vielen guten Worten, nein: Orten. Bei der Abfahrt sangen noch einmal die Kinder, und der Fürst wurde gebeten, Grüße an den Nordkreis zu übermitteln.

Bei der folgenden Pause am Sportplatz Todenmann wartete noch eine Überraschung auf den Tross: Der Schützenverein hatte sich versammelt, um den Fürsten zu einem Schuss mit dem Bogen einzuladen. Hauptmann Zerssenheim und seine Mannen ließen sich schnell überreden. Und wie sich herausstellte, gab es unter den Landsknechten einen, der bereits heimlich geübt hatte. Er traf die Scheibe aus 30 m Entfernung.

Disputation zum Thema Hexenverfolgung

Ein Thema ist dem Fürsten vom ersten Tag seines Besuchs an immer wieder begegnet: die Verfolgung und Verbrennung von Hexen zu seiner Zeit. Und so war es kein Wunder, dass das Winterrefektorium bis zum letzten Platz gefüllt war, als Ernst mit seinem Gefolge kam, um der Disputation heutiger Experten (Dr. Stefan Brüdermann, Staatsarchiv Bückeburg; Dr. Stefan Meyer, Museum Eulenburg, Rinteln; Dr. Claudia Kauertz, Niedersächsisches Landesarchiv) zu lauschen. Er selbst sei schon neugierig auf den Stand der Forschung. Zunächst jedoch hielt Magister Notholden eine Rede, die deutlich machte, wie man im 17. Jahrhundert zu den "Hexen" stand.

Sigmund Graf Adelmann von der Schaumburger Landschaft moderierte die Diskussion, die sicher für das ganze Publikum viel Neues gebracht hat. Zunächst wurde geklärt, wie der Begriff Hexen überhaupt definiert ist und wie der Hexenglaube entstanden ist. Dabei wurde klar, dass man in allen Regionen der Erde an Hexen glaubt und das bis heute. Dass allerdings das Hexentum wie in Europa ab ca. 1400 zu einem verfolgbaren Delikt zusammengefasst wurde, ist einmalig. Entgegen früheren Forschungen weiß man heute, dass es zu kurz greift, nur etwa Frauen, Hebammen oder Heilkundige als Opfer der Verfolgung zu sehen. Je nach Zeit und Region gab es Schwerpunkte, aber nie ist ausschließlich eine Gruppe allein verfolgt worden. So waren es in manchen Regionen beinahe nur Männer, dann wieder in anderen fast nur Kinder.

Die Rechtsgrundlage der Verfolgung bildete ursprünglich die "Peynliche Gerichtsordnung", die so genannte Carolina von 1532. Dass Fürst Ernst 70 Jahre später in seiner Polizeiordnung den Tatbestand erneut aufnahm, war eigentlich überflüssig. Dass er ihn noch verschärfte, ist der Entwicklung in diesen sieben Jahrzehnten geschuldet. Ihr Ende fand die Hexenverfolgung - so eine Vermutung - als das Ausmaß der Verfolgung so weit zugenommen hatte, dass es nicht mehr rational zu erklären war, wer alles "besagt" wurde. So wurden unter Juristen und Geistlichkeit die Proteste immer lauter. Auch die Aufklärung wirkte in diese Entwicklung hinein.

Am Ende der Vorträge hatte das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. Fürst Ernst, der der Disputation aufmerksam gelauscht hatte, bedankte sich dann und verabschiedete sich, um über alles Gehörte nachzudenken. Im Kloster wurde noch lange diskutiert.

Samstag, 28. August 2010

Ein Fest im Kloster

Jagdhörner empfingen den Fürsten im gut gefüllten Klosterinnenhof von Möllenbeck. Der Bürgermeister begrüßte Ernst auf der Bühne und überreichte ihm die Möllenbecker Chronik als Geschenk, "Damit er die Geschichte der letzten 400 Jahre nachlesen kann." Auch zwei Wünsche hatten die Menschen in Möllenbeck. So baten sie den Fürsten, einerseits die geplante Einziehung der Kreisstraße zu verhindern und andererseits dafür zu sorgen, dass das Dorf nicht mehr so stark vom Lärm der Bundesstraße belastet wird. Der Fürst stellte fest, dass in unserer heutigen Zeit ja leider nichts mehr ohne die neumodischen Gefährte, die Autos, auskomme, und dass diese dabei doch eine Menge Probleme hervorrufen. Aber natürlich will er Möllenbeck unterstützen, soweit er mit den Zuständigen überhaupt zusammentreffen wird.

Dann zogen sich Fürst Ernst und seine Adligen zu einer kurzen Pause zurück, um sich vor der Gelehrtendisputation noch ein wenig auszuruhen.

Gärten früher und heute

Noch einmal hieß es anhalten in Exten. In der Orangerie wurde der Fürst von einem Gärtner (eigentlich einer Gärtnerin) empfangen, der ihm die historische Gartenanlage erläuterte. Dann ging es auf einen Rundgang durch drei modern gestaltete Gärtchen, die Ernst zum Teil doch sehr überraschten. Leider hatte der Fürst wenig Zeit zum Flanieren und so bestieg er schon bald wieder seine Kutsche, um nach Möllenbeck weiterzufahren.

Fürst Ernst lernt die Schaumburger Industrie kennen

Von Hessisch Oldendorf aus fuhr der Fürst nicht, wie vorher angekündigt, per Fähre in Großenwieden über die Weser, sondern er überquerte den Fluss bereits bei Fuhlen. Zur Pause an der Landstraße wartete eine Überraschung auf den Tross. Einige Frauen hatten sich aufgemacht, den Fürsten zu empfangen und seine Mannen mit allerlei Leckereien zu stärken. Vielen Dank dafür!

Als der Fürst den Eisenhammer in Exten erreichte, herrschte bereits gute Stimmung. Ein Chor sang ein Schmiedelied - wer wie und wann alles am Eisen arbeitet, ist wirklich unglaublich. Sieben lustige Strophen später konnte der Fürst vom Heimatverein begrüßt werden. Per Petition wurde ihm angetragen, sich für den Erhalt des Eisenhammers einzusetzen. Diese doch recht laute Maschine wurde ihm sodann vorgeführt. Wieder einmal musste Fürst Ernst feststellen, wie laut die Welt heute geworden ist. Dennoch war er von der Arbeitsweise des Hammers beeindruckt. In einer weiteren Petition ging es um den Dorfanger, der als Ortsmittelpunkt wiederbelebt werden soll. Der Fürst hatte einen ersten Vorschlag: "Wenn dort zu viele Autos stehen, dann parkt doch einfach nicht mehr da." Natürlich versprach er, sich für Geldmittel zur Verschönerung des Angers einzusetzen. Wohlversehen mit Reiseproviant konnte Ernst mit seinem Tross seine Reise dann fortsetzen.

Freitag, 27. August 2010

Hessisch Oldendorf freute sich auf den Fürsten

"Ausland" hin oder her - auch in Hessisch Oldendorf kamen Menschen eigens auf den Marktplatz, kurz bevor Fürst Ernst eintreffen sollte. Ein Duo spielte Rockklassiker, bewusst mit Akustikgitarre, um den historischen Besucher nicht zu erschrecken. Dieser hörte sich die neumodische Musik auch geduldig an. Hat Magister Notholden tatsächlich mitgewippt? Vorsichtshalber sprach er dann aber ein Gebet. Anton von Gertenbrock verkündete den herrschaftlichen Stand des Fürsten, wurde aber schnell von Ernst zur Ordnung gerufen. So kamen der  Bürgermeister und der Baxmann zum Zug, um die hohen Gäste zu begrüßen. Der Fürst ließ sich erklären, wieso sein Oldendorf plötzlich "Hessisch" heißt und warum es heute nicht mehr zu Schaumburg gehört. Zufriedengeben wollte er sich damit aber nicht so recht. Und auch die Bevölkerung mag nicht von Ernst lassen. So wurde ihm von der Jugendbürgermeisterin die Petition angetragen, sich für die Erneuerung der Scaterbahn einzusetzen. Der Fürst hatte auch eine Lösung vor Augen. Denn er hatte Geschenke aus Schaumburg mitgebracht: einige Kästen Fürst-Ernst-Bräu, Ernst-Taler und eine Schaumburger Fahne. All das sollte nun versteigert werden, um Geld für die Sanierung aufzubringen. Doch auch der Fürst sollte nicht ohne Geschenke wieder nach Hause fahren. Zudem wurde er gebeten, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen, eine Bitte, der er gern nachkam - sicher die aufwändigste Unterschrift im gesamten Buch.

Fischbeck erwartet den Fürsten

Freudige Spannung war im Stift in Fischbeck zu spüren, als der Tross des Fürsten sich näherte. Bereits am Gut Stau hatten Reiterinnen und Reiter den Tross erwartet, um ihn zum Stift zu geleiten. Äbtissin Uda von der Nahmer begrüßte Fürst Ernst und gab ihrer Freude Ausdruck, dass der Tross im Jahre 2010 so klein sei. Denn zu Lebzeiten des Fürsten war dieser häufig mit großem Gefolge zum Jagen nach Fischbeck gekommen, wo das Stift die ganze Gesellschaft versorgen musste - ein sehr großer Aufwand. Dennoch wollte man den Fürsten auch heute nicht durstig gehen lassen. Und so bekam er eine Flasche Stiftswein als Geschenk überreicht.

Die Kinder aus Kindergarten und Grundschule jubelten Ernst zu, als die Äbtissin ihn und seine Männer zu einem Rundgang durch das Stift einlud. Um die Stiftsgebäude herum wurde der Fürst zum Haupteingang der Kirche geleitet, wo Hauptmann Zerssenheim seine Männer postierte. In der Kirche konnte Fürst Ernst nicht nur die wunderbare Bemalung bewundern, sondern auch den Klängen der Orgel lauschen - ein andächtiger Moment. Dann wurde er gebeten, sich in das Gästebuch einzutragen.

Durch den bezaubernden Innenhof  ging es zurück zur Kutsche, wo Zerssenheim plötzlich seine Landsknechte vermisste. Denn diese standen ja immer noch auf der anderen Seite des Gebäudes. Im Laufschritt eilte er zu ihnen, musste sich aber dennoch einen Rüffel seines Fürsten anhören. Ernst ist es nicht gewohnt, ohne Bewachung seine Kutsche zu besteigen.